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Fragwürdige Mechanismen der Lebensmittelindustrie
In der Sachbuch-Neuerscheinung "Die Joghurt-Lüge. Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie" sprechen die Autoren Marita Vollborn und Vlad Georgescu über Tricks und Marketingmodelle der Lebensmittelbranche. Das Buch dürfte für Aufregung sorgen - wie immer wenn "ganz normale" Details aus Produktionsprozessen und zukünftigen Entwicklungen ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden. Die Autoren sprechen aus, worüber in Fachkreisen schon längst gebrütet wird. Dabei beleuchten sie Details und legen dar, dass Konsumenten im Milliardengeschäft mit den Lebensmitteln gezielt in die Irre geführt werden, ohne Rücksicht auf große Risiken für die Gesundheit. Erstverkaufstag: 17. August 2006. Gigantisches Getriebe - Marketing (wird ge-)richtet Die Lebensmittelbranche erwirtschaftet hierzulande jedes Jahr mehr als 130 Milliarden Euro. Sie beschäftigt über 550.000 Menschen. Zwischen 50.000 und 70.000 Lebensmittelgeschäfte sorgen dafür, dass der Verbraucher alles bekommt, was das Herz begehrt: Erdbeeren im Dezember, tiefgekühltes Gemüse, Fleisch in allen Variationen, fettreduzierter Joghurt, Fitnessdrinks, Functional Food. Beinahe natürlich ist, dass in dem Buch das Marketing als zentrales Rädchen in diesem Getriebe wieder in Verruf kommt. Moderne Lebensmittel sollen die Menschheit gesund halten, schmecken und preiswert sein. Die globale (Marketing-)Message der Industrie versucht mit Milliardenaufwand über Werbung, PR-Kampagnen und Sponsoringaktionen die Konsumenten vom Segen der New-Food-Ära zu überzeugen. Wo das Rädchen steht, dessen Antrieb mehr oder weniger weit entfernt liegt, spielt in dem Buch eine untergeordnete Rolle. Der Fokus liegt auf Unausgesprochenem. Dabei stellen die Autoren den Kontext der Botschaften der Lebensmittelindustrie als kalkulierte und gezielt unters Volk gebrachte Trugschlüsse mit gesundheitsgefährdenden Folgen her. Inhalt: Von der der verdummenden Gesellschaft bis zur Nanotechnologie Die Autoren sprechen dubiose Inhalts- und Zusatzstoffe, nicht deklariertes Gentech- Food und bestrahlte Lebensmittel an. Angeprangert wird, dass die Lebensmittelbranche geschickt solche dem Produktimage und der Gesundheit abträgliche Inhaltsstoffe versteckt und dass dies Folgen für die Verbraucher hat. Ungesunde Lebensmittel und falsche Ernährungsgewohnheiten sind zu großen gesundheitlichen Risiken geworden, die nicht zuletzt durch eine verdummende Marketingmaschinerie gefördert werden. Vorgestellt wird auch die Nanotechnologie, die neben der Gentechnologie als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts gilt. Mutigste Prognosen sagen Nanofood bis 2010 einen 20 Milliarden Dollar Markt voraus. Hierbei wird auf die Ungewissheit aus Verbrauchersicht hingewiesen, da sich die Wissenschaft allmählich beginnt, für die Auswirkungen der Nanotechnologie zu interessieren, eine Sicherheitsforschung aber erst in den Anfängen betrieben wird. Anm. d. Red.: "Nano": Der milliardste Teil einer Einheit Im Zusammenhang mit Lebensmitteln und Nanotech gehen die Autoren auf die Verbesserung von Geschmack, Konsistenz und Optik ein. Beispiel Geschmack: Unerwünschte Geschmacksstoffe können mithilfe von Nanopartikeln umhüllt werden, sodass sie beim Verzehr nicht mehr wahrgenommen werden ("Geschmacks- maskierung"). Andere, erwünschte Geschmacksstoffe lassen sich so "verpacken", dass sie sich nacheinander oder erst nach einer bestimmten Garmethode entfalten. Inhalts-Zitat "... Unaufhaltsam erobert Nano die Supermärkte, die Branche aber frönt der Heimlichkeit. Nanofood ist noch kein Thema für die Öffentlichkeit, und so lärmt die Werbung nicht, wie sonst üblich. Debattiert wird auf Fachtagungen und brancheninternen Seminaren, Expertengespräche finden meist im engen Kreis auf Messen statt - man ist unter sich. Nach außen stapeln die Unternehmen tief, obwohl der Fantasie kaum Grenzen gesetzt sind. Nanotechnologisch veränderte Produkte werden hypersensibel 'kommuniziert', ist der Stachel 'Genfood' im Fleisch der Konsumenten doch gerade erst dabei, sich zu verkapseln..." Resümee Das Buch spannt den Bogen vom Status Quo der Lebensmittelkommunikation bis zur Zukunft der Lebensmittelinhalte und stellt Risiken im Zusammenhang mit der Gesundheit dar. Immer wissenschaftlich unterlegt. Mit kritischer Sprache und einer anprangernden Tonalität spricht es Mechanismen, Strategien und Produkte der Lebensmittelindustrie an. Kreative Werber und Marketingfachleute werden als Mitwisser unter den Hut der Geschäftemacher gestellt. Als Sachbuch wendet es sich an den Endkonsument, um aufzuzeigen, was kritische Verbraucher wissen sollten, um bewusst einzukaufen und sich gesund zu ernähren. Zu den Autoren Marita Vollborn arbeitete als Lebensmitteltechnologin im Management eines Lebensmittelkonzerns. Vlad D. Georgescu beschäftigte sich mit Nachweisverfahren und -grenzen der wichtigsten Schadstoffe und Belastungssubstanzen. Vollborn und Georgescu arbeiten als freie Wissenschafts- und Medizinjournalisten für namhafte Zeitschriften und Zeitungen. Zum Thema: 19.08.2006: Der Bio-Markt boomt (Studienarchiv 08 /2006) 15.03.2006: Mehr Transparenz bei Verbraucherinformation gefordert 27.02.2006: Trinkjoghurt wird beliebter 12.12.2005: Wie die Massenmedien konsumiert werden (Studienarchiv 12 /2005) 23.12.2005: Functional Food u. Bio-Nahrung könnte besser vermarktet werden (St. 12 /05) 28.11.2005: AFG-Markt steht unter Innovations-Druck (Studienarchiv 11 /2005) 26.09.2005: Was lesen Verbraucher auf dem Etikett? (Studienarchiv 09 /2005) 15.09.2005: Verbraucher-Einstellungen zum Kochen 18.07.2005: Convenience-Trend: Chilled Food (Studienarchiv 07 /2005) 05.07.2005: "Gesunde" Produktdeklaration lenkt Kaufverhalten 14.06.2005: Gesundheitsbezogene Werbeaussagen werden geregelt 18.02.2005: Lebensmittelhersteller sperren sich gegen gentechnikfreies Tierfutter 27.12.2004: Food-Trends in den USA (Studienarchiv 12 /2004) 31.08.2004: EU setzt Beratergruppe für Lebensmittelsicherheit ein
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