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von
Prof. C.J.M. Beniers
 
Interkulturelle Kommunikation



In Zeiten der sich immer mehr und immer schneller durch-
setzenden modernen Multimedien und der Globalisierung
müssen Verkäufer auch international tätig sein. Mit
Englischkenntnissen allein ist es nicht getan.


Prof. C.J.M. Beniers war internationaler Manager bei Philips N.V. in den Niederlanden. Seit 1986 ist er Professor für Deutsch und Inter-
nationales Management an der University of Professional Education in Den Haag, daneben ist er Gast-
professor an verschiedenen Fach-
hochschulen in Deutschland und organisiert Workshops im Bereich "Internationales Management" für Unternehmen in den Niederlanden und in Deutschland.

Im Jahre 1995 gründete Prof. C.J.M. Beniers eine internationale Unter-
nehmensberatung und internationales Bildungszentrum: HERMES, Internationales Business Training Center, das Kurse in deutscher, englischer und niederländischer Sprache anbietet.
Die Praxis zeigt, dass noch andere Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig sind, um als internationaler Verkäufer erfolgreich sein zu können. Wie zum Beispiel die Bereitschaft, sich in die Kultur des ausländischen Kunden zu vertiefen und sich mit Problemen und Möglichkeiten im Bereich der interkulturellen Kommunikation zu beschäftigen.

Was ist interkulturelle Kommunikation?
Interkulturelle Kommunikation ist ein symbolischer, transaktioneller und informationsenthaltender Prozess, in dem das Ausmaß an Unterschieden zwischen den Beteiligten manches Mal so groß ist, dass dadurch Mißverständnisse und unter-
schiedliche Erwartungen entstehen über das, was die Beteiligten als angemessenes Verhalten betrachten.

Schwierigkeiten bei der interkulturellen Kommunikation
Interkulturell kommunizieren ist in der beruflichen Praxis schwierig:

a) Kultur beeinflusst alle Aspekte der Kommunikation

b) Unsere Auffassungen über Menschen aus anderen Kulturen fördern oder
    beeinträchtigen unser Verständnis interkultureller Dimensionen

Kultur beeinflusst alle Aspekte der Kommunikation
  • Perzeption über Menschen und Ereignisse sind innerhalb Kulturen dieselben. Anders gesagt: außerhalb einer bestimmten Kultur sind Perzeptionen teilweise oder völlig anders! Für Verkäufer: die Rolle des Kaufvertrags in verschiedenen Kulturen;
  • Kulturen schreiben uns vor, wie wir uns benehmen sollen; Verkäufer: Kleidung, Auftreten gegenüber Menschen aus anderen Kulturen
  • Ziele, die man hat und die Motivation, diese Ziele zu erreichen, werden von der Kultur, zu der man gehört, bestimmt. Für deutsche Verkäufer ist der Begriff "Ziel" äußerst wichtig, für französische Verkäufer dagegen "les grandes lignes?"

Unsere Auffassungen über Menschen aus anderen Kulturen

1. Stereotypen und Vorurteile
Eine der wichtigsten Barrieren in interkultureller Kommunikation ist unsere Neigung, andere Menschen nach Stereotypen und Vorurteilen zu betrachten:
  • Stereotyp beinhaltet vorausgesetzte Merkmale einer Gruppe, die sich auf alle Mitglieder dieser Gruppe beziehen: " Latinos sind gute Tänzer."
  • Vorurteil ist eine unkluge, intolerante, irrationale und unveränderliche Meinung über (einen) andere(n) Menschen: "Schwarze sind faule Arbeiter."
  • Weder Stereotyp noch Vorurteil tragen zum Verständnis von Menschen aus anderen Kulturen bei.

  • 2. Ähnlichkeiten, Gemeinsamkeiten voraussetzen
  • Verkäufer, die davon ausgehen, daß es in der Kultur des ausländischen Geschäftspartners Ähnlichkeiten und/oder sogar Gemeinsames mit der eigenen Kultur gibt, machen einen großen Fehler, weil:
  • es sehr wahrscheinlich diese Ähnlichkeiten und/oder Gemeinsamkeiten überhaupt nicht gibt;
  • Wenn es Ähnlichkeiten und/oder Gemeinsamkeiten gibt, diese sich auf ganz anderen Gebieten darstellen als erwartet.
  • Sprachliche Unterschiede

    Malteser Sprache Finnische Sprache
    - sormi = Teil der Gesäßhälfte - sormi = Finger
    - harja = Fäkalien - harja = Bürste
    - illalla = Fluch - illala = am Abend


    Beseitigen der Schwierigkeiten in der interkulturellen Kommunikation
    Frage:
    Gibt es Methoden, Mittel, um interkulurell besser zu kommunizieren?
    Ja, die gibt es!
    Und zwar folgende:

    durch Empathie
    durch Toleranz
    durch kulturelle Relativität
    durch Selbstverständnis
    durch kommunikative Fähigkeiten

    Empathie
    Empathie ist die Fähigkeit, sich in die Lage des Gesprächspartners zu versetzen. Für Verkäufer, die erfolgreich sein wollen, ist eine empathische Einstellung sowieso unbedingt erforderlich. Geschweige denn, wenn sie international tätig sind!

    Durch Empathie versteht man schneller und besser, was der Gesprächspartner fühlt und was ihn dazu bewegt, sich z. B. kooperativ zu verhalten oder Beharrlichkeit aufzuzeigen.

    Empathisches Verhalten führt dazu, dass
    • man den Gesprächspartner, der redet, nicht so schnell unterbricht;
    • man versucht zu verstehen, was er meint;
    • reflektives Zuhören stattfindet;
    • der Gesprächspartner schneller dazu bereit ist, über seine Gefühle, seine emotionalen Beweggründe bei der Kaufentscheidung zu reden: Disclosing.

    Toleranz
    In der interkulturellen Kommunikation ist es wichtig, dass man versteht, wie man mit kulturellen Unterschieden umgehen muss.
    Es ist unvernünftig, Menschen gegenüber, die andere, durch ihre Kultur bedingte Verhaltensweisen aufweisen, unbegründete Emotionen, vor allem negativ, zum Ausdruck zu bringen.
    Darum soll man über Werte und Normen anderer Kulturen die sich von der eigenen Kultur unterscheiden, nicht urteilen.

    Kulturelle Relativität
    Durch kulturelle Relativität werden Werte und Normen anderer Kulturen anerkannt und man vermeidet somit, dass man bestimmte Kulturen (seine eigene Kultur!) anderen Kulturen gegenüber als überlegen betrachtet.
    Erfolgreiche internationale Verkäufer werden die Werte und Normen des ausländischen Gesprächspartners im Verkaufsgespräch möglichst viel berücksichtigen. So wird z. B. ein erfahrener niederländischer Verkäufer, der international operiert, im Verkaufsgespräch mit einem deutschen Kunden Argumente, die sich vor allem auf Zahlen, Statistiken beziehen, ins Feld führen.

    Um besser mit Menschen aus anderen Kulturen zu kommunizieren, ist ein klares Selbstverständnis unbedingt erforderlich.
    Warum? Wenn Menschen imstande sind, sich selbst objektiv zu beobachten und dadurch ihre eigenen Merkmale erkennen und verstehen, dann können sie um so besser einschätzen, wie Menschen anderer Kulturen sie betrachten und welche Gefühle Menschen anderer Kulturen ihnen gegenüber hegen.
    Gute Kommunikation setzt Kenntnisse von Menschen aus anderen Kulturen, wie auch ein klares Selbstverständnis voraus.

    Kommunikative Fähigkeiten

    1. Den Gesprächspartner nicht unterbrechen
    • der Verkäufer lässt seinen Gesprächspartner ausreden. Wenn der Verkäufer seinen ausländischen Gesprächspartner unterbricht, wird dieser nervös, bekommt Ärger usw. und wird dann, gerade da er einer anderen Kultur angehört, sehr wahrscheinlich anders reagieren als erwartet.
    • Nachteile: Mißverständnisse, gegenseitiges Mißtrauen usw. entstehen.

    2. Überprüfen
    • der internationale Verkäufer wird während des Verkaufsgesprächs genau prüfen, ob der ausländische Kunde alles verstanden hat. Das macht er dadurch, dass er (wiederholt) Fragen stellt und/oder zwischenzeitlich die wichtigsten Punkte zusammenfasst.
    • Vorteile: Mißverständnisse werden vermieden und gegenseitiges Vertrauen gestärkt.

    3. Wiederholen
    • Verkäufer sollen sich ganz klar vor Augen führen, was im Laufe des Verkaufsgesprächs unmißverständlich wiederholt werden muß: Probleme, Bedürfnisse, Wünsche des Kunden (nach Erkundung der Bedarfslage des Kunden).
    • Vorteile: Vermeidung von Mißverständnissen, angemessene Problemlösung durch Verkäufer.

    4. Erläutern
    • Bei komplizierten Tatbeständen weisen Verkä,ufer vorsichtshalber den Gesprächspartner darauf hin, welche Information nach ihrer Meinung noch weiter erläutert werden soll. Wenn nötig wiederholen Verkäufer Information.
    • Vorteile: trotz komplizierter Verkaufsthemen werden Mißverständnisse möglichst viel vermieden, Vertrauen zwischen den Gesprächspartnern wird gestärkt, Zufriedenheit des Kunden.

    5. Zusammenfassen
    • im internationalen Business gibt es eine Standardregel: always sum up! Vor allem Geschäftsleute aus den Niederlanden und dem angelsächsischen Gebiet benutzen dieses Verfahren.
    • Vorteile: Mißverständnisse werden möglichst viel vermieden, Gesprächspartner können noch einiges hinzufügen, erläutern usw.; weniger Probleme bei der Vertragsgestaltung.

    DSM-Methode: Drei Schritte Methode
    International operierende Manager wenden oft die
    Drei Schritte Methode an:

    Schritt 1: Welche Phänomene gibt es in Kultur A?
    Welche Phänomene gibt es in Kultur B?
    Welche Phänomene gibt es in Kultur A und B?
    Schritt 2: Welche sind die Ursache dieser Phänomene?
    Schritt 3: Welche Phänomene sind für mich akzeptabel?


    Zusammenfassung
    Internationale Geschäftsleute sind sich u.a. durch Erfahrungen immer mehr der Tatsache bewusst, dass man sich ausführlich mit dem Thema "interkulturelle Kommunikation" beschäftigen soll. Hierbei gibt es drei Phasen:

    Das Bewusstwerden
    Das Erkennen, dass man durch die Umgebung, in der man aufgewachsen ist, mit bestimmten Werten und Normen ausgestattet ist, und dass andere, die in einer anderen Umgebung aufgewachsen sind, aus genauso guten Gründen mit anderen Werten und Normen programmiert sind.
    Dieses Bewusstwerden führt dazu, dass man die Signale der Relativität der eigenen Werte und Normen wahrnimmt.

    Das Wissen
    Wenn internationale Geschäftsleute mit ihren Kollegen aus anderen Kulturen erfolgreich umgehen wollen, dann müssen sie manches über diese Kulturen lernen. Wie z. B. über Symbole, Helden und Rituale. (z. B. Machtdistanz (Hierarchie) in deutschen Unternehmen).

    Die Fertigkeiten
    International operierende Geschäftsleute sollen nach der Bewusstmachung und Wissen sich Fertigkeiten aneignen, um die Symbole, Helden und Rituale der anderen Kultur anwenden zu können. Z. B. ein niederländischer Verkäufer, der mit einem deutschen Kunden ein Verkaufsgespräch führt, soll sich dem förmlichen Verhalten seines deutschen Kunden anpassen und sich darin zurechtfinden. Umgehehrt soll der deutsche Kunde, wenn er in den Niederlanden mit dem niederländischen Verkäufer redet, sich dem weniger förmlichen Umfeld in den Niederlanden anpassen.

    Persönliche Anmerkung
    Meine persönliche internationale Erfahrung hat mich gelehrt, dass neben Bewußtwerden, Wissen und Fertigkeiten im Rahmen der interkulturellen Kommunikation vor allem Aufgeschlossenheit und Empathie für den geschäftlichen Erfolg ausschlaggebend sind.
    Internationale Geschäfte scheitern durch interkulturelle Unterschiede im Bereich der Verhandlungen zu 50 Prozent (Mangel an Aufgeschlossenheit) und hinsichtlich der Art und Weise, wie man Geschäfte macht, zu 30 Prozent (Mangel an Empathie).


    Kontakt: Prof. C.J.M. Beniers
    HERMES, Internationales Business Training Center

    eMail: cjm@beniers.demon.nl
    Link:
    www.hermesibtc.com
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